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Historische Entwicklungen der Zweierarbeit

Das Lernen zu Zweit wurde in unterschiedlichen Zeiten, Orten und Kulturen immer wieder für den Bildungsprozess durch Erprobung  neu entdeckt.
Bell entdeckte das Helfersystem in Indien, und entwickelte es mit Lancaster weiter zum Bell-Lancaster-System. Darauf aufbauend erarbeitete Pater Gregor Girard in der Schweiz seine Form des wechselseitigen Lernens und etablierte sein „enseignement mutuel“ mit großem Erfolg.
Egger (1947) legt dazu Folgendes dar: P. Girard fiel ein Buch in die Hände, das eine ganz neue Unterrichtsmethode erläuterte, die Bell und Lancaster in England durchgeführt hatten. Es war dies ein „wechselseitiger“ Unterricht, wo die Schüler sich gegenseitig unterrichten, im Gegensatz zum „einseitigen“ Unterricht, wo der Lehrer allein unterrichtet. Beim wechselseitigen Unterricht galt es, die geweckteren Schüler als Hilfslehrer auszubilden. Auf diese Weise wurden so viele Unterabteilungen möglich als begabte Schüler vorhanden waren, die einiges Lehrtalent besaßen. Selbstverständlich überwachten die Lehrer diese bei ihrem Amte, um dort einzugreifen, wo es Not tat. . . . . Er ging aber auch hier eigene Wege, indem er die beiden Unterrichtsmethoden vereinte. Fortan wird P. Girard diese Methode . . .  nachdrücklich betonen . . ., so 1818 in seiner Schlussansprache: „Endlich kam das Jahr 1816, und wir lernten den wechselseitigen Unterricht kennen. Welch eine glückliche Entdeckung! Sie erlaubte uns, auf unsere ersten Pläne zurückzukommen, und jeden Schüler den Unterricht zu geben, den er brauchte und verlangte.
Nach dem Muster der Fryburger Volksschule wurden solche Schulen „Girardinen“ genannt und wir finden sie in Italien, Frankreich und Spanien. . . . .
Der Aufschwung der Schule in Fryburg blieb selbstverständlich nicht unbeachtet. Bald kamen Besucher aus nah und fern. Dr. Bell aus England bewunderte seinen Schüler; Enrico Mayer aus Italien wurde ein begeisteter Anhänger; . . . Pestalozzi sagte nach dem Besuch von Girards Lehranstalt und Beobachtung seiner Form des wechselseitigen Unterrichts: „Dieser Mönch macht Dreck zu Gold!“ (S. 95 ff.)

Entwicklung der Rotierenden Zweierarbeit RZ
Die Tradition der RZ beginnt mit Alexander Rivin. Rivin bildete zunächst in der Ukraine Jugendliche für eine höhere Bildungslaufbahn in den 1920er Jahren aus. Zu dieser Zeit war die Analphabetismusquote sehr hoch. Im Folgenden organisierte er die Lehrerausbildung, die innerhalb des Bildungsprogramms `Kampf gegen den Analphabetismus` eingesetzt wurde.

Mit der kommunistischen Revolution in Russland wurden aus den Ministerien zahlreiche gut ausgebildete Beamten aus politischen Gründen entlassen. An ihre Stelle wurden Arbeiter gesetzt, so dass schließlich alle leitenden Positionen mit unausgebildeten Parteimitgliedern besetzt waren. Rivin bot an, diese ungelernten Beamten systematisch für ihre Aufgaben auszubilden. Die Ausbildung durch Rivin erfolgte für alle Beamten freiwillig im Abendunterricht. Als Ausbildungsleiter setzte er Studenten ein. 1500 Teilnehmer bestanden das Ingenieurdiplom. Diese Ausbildung erfolgte in Jahren von 1929 bis 1932

Methodik: Die Analphabeten kennen Alltagswörter, wie zum Beispiel die Monatsnamen, Namen von Wochentagen und Namen der Gruppenmitglieder. Die Teilnehmer trainieren sich wechselseitig ausgehend von diesen Alltagswörtern. Systematischer Partnerwechsel führte zum besonderem Erfolg dieser Vorgehensweise.
Diese Bildungsinitiative wurde mit dem Schlagwort `Kampf gegen den Analphabetismus` bezeichnet.